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Richie und Andy

Christentum, Kirche, Strukturen

„Querida Amazonia“ (Postsynodales Schreiben)

Nun ist es etwas mehr als eine Woche her, dass Papst Franziskus sein nachsynodales Schreiben „Querida Amazonia“ veröffentlichte. Manche ersten Emotionen haben sich etwas gesetzt und manches ist auch im Lesen von Kommentaren namhafter Theologinnen und Theologen klarer geworden. Nun möchte ich versuchen, meine Gedanken zu diesem Schreiben in Worte zu fassen. Auch wenn wir heute Faschingssonntag haben, sind diese Gedanken leider alles andere als lustig.

Papst Franziskus entwirft in dem Schreiben vier Visionen für Amazonien und die Welt:
In einer ersten sozialen Vision prangert der Papst die Ungerechtigkeit und Ausbeutung der indigenen Bevölkerungsgruppen an und fordert ein Einhalten der Menschenrechte vor allem auch für die Schwachen und Entrechteten.
In einer zweiten kulturellen Vision stellt Papst Franziskus die Kultur und Lebensweise der indigenen Völker in Amazonien der Welt vor und stellt klar, dass wir viel von diesen Völkern lernen können.
Eine dritte Vision beschäftigt sich schließlich mit der Ökologie des Amazonas Gebietes. Hier geht es dem Papst vor allem darum, die Vielfalt der Natur unter Schutz zu stellen. Das Öko-System des Amazonas Gebietes ist entscheidend für das globale Klima und deren Schutz betrifft daher nicht nur die Region, sondern fordert den klaren Einsatz aller Menschen.

Kirchliche Vision
In einer vierten und letzten Vision schließlich geht der Papst auf die Rolle und Aufgabe der christlichen Gemeinschaften und Gemeinden ein. Er stellt die Problematik dar, die sich ergibt, weil viele Gemeinden keine regelmäßige Eucharistiefeiern mehr halten können, weil ihnen die dafür nötigen Priester fehlen. Der Papst beschreibt auch die vielfältigen Dienste, die Frauen in diesen Gemeinschaften leisten. Angefangen von der Leitung bis zu Taufen und der Leitung gemeinsamer Feiern werden verschiedenste Dienste bereits sehr fruchtbringend auch von Frauen ausgeübt. Trotzdem beklagt der Papst den Mangel am Zugang zur Eucharistie, die den gesamten Leib der Kirche aufbaut.
Aus diesem Grund bat Franziskus die Synode, ihm mutige Vorschläge zu unterbreiten, was diese mit überwältigender Mehrheit (ca. 80 Prozent) gemacht hat: Viri probati (Aufhebung des Pflichtzölibats) und Diakoninnen (Öffnung des Weihesakraments für Frauen). Franziskus will nur plötzlich von Mut und Heiligem Geist nichts mehr wissen, denn hier bricht die Vision plötzlich ab. Papst Franziskus fällt zurück in mehr als fragwürdige theologische Konzepte, die eigentlich seit dem Konzil von Trient (16. Jahrhundert) überwunden schienen. Während die Priester Christus repräsentieren, sollten sich die Frauen an die weibliche und zärtliche Gestalt Marias halten, um ihre Rolle in der Kirche zu erkennen. Damit wird Maria Christus gleichgestellt, also eigentlich zu einer zweiten Gottheit. Offenbar ohne weiteres Nachdenken wird hier von Papst Franziskus der Monotheismus (Ein-Gott-Glaube) zugunsten einer Dualität aufgehoben. Solche Theorien kennen wir eigentlich nur aus dem Mittelalter.
Doch nicht nur, dass Papst Franziskus hier offensichtlich theologische Überlegungen der letzten 500 Jahre ignoriert, macht er mit dieser letzten Vision auch die Kraft der ersten drei kaputt. Denn es stellt sich das Problem der Ernsthaftigkeit bei der Forderung der Einhaltung der Menschenrechte, wenn er sie in der Kirche dann doch nicht einhalten möchte. Der Vatikan hat die Menschenrechtscharta bis heute nicht unterschrieben. Die kulturelle Vision wird ad absurdum geführt, wenn der Papst dann doch wieder das klerikale Bild der Kirche Europas haben möchte und damit die indigene Kultur der Amazonasvölker mit Füßen tritt.

Persönlich bin ich von diesem Schreiben erschüttert. Nicht nur dass es wieder einmal an der wirklichen Not der Menschen vorbeigeht und sich den Problemen unserer Zeit nicht oder nur unzureichend stellt, es geht in wichtigen Punkten meines Erachtens sogar entscheidende Schritte zurück.
Auch wenn ich als Priester während der Eucharistiefeier Christus repräsentiere, der spricht: „Dies ist mein Leib, … dies ist mein Blut, …“ so wäre es doch mehr als anmaßend, würde ich mich mit Christus in meinem Leben vergleichen und auf eine Stufe stellen. Dafür haben wir in den Krankenhäusern eigene Abteilungen, die auf Persönlichkeitsstörungen und Wahnvorstellungen (Gottkomplex, religiöser Wahn) spezialisiert sind.
Die Identifikation der Frauen mit Maria ist in diesem Zusammenhang sogar noch bedenklicher. Ich glaube, dass Christus jeden Menschen (Frauen und Männer) zu Gott führt. Maria ist keine zweite Göttin, die quasi für die Frauen zuständig wäre.
Es geht also in der Konsequenz darum, dass sich jeder Mensch unabhängig von Herkunft und Geschlecht in Christus wiederfinden kann, nicht im Sinne einer vollkommenen Identifikation, sondern als Weg zum Vater, als Weg zum Leben. Darin liegt für mich auch die theologische Notwendigkeit für die Menschenrechte, denn Christus unterscheidet nicht nach Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht. Der Papst offensichtlich schon. Um ehrlich zu sein, schäme ich mich, dass ich als Priester in einer kirchlichen Organisation arbeite, die nicht in der Lage ist, die Menschenrechte aller zu achten. Ich schäme mich, an einer Struktur mitzuarbeiten, die den Menschen nicht Christus und damit seine Liebe und sein Leben näherbringt, sondern Menschen ausschließt und ihnen den Zugang zum Leben verwehrt.

Heiliger Geist Fenster im Petersdom

Ob und in welcher Weise alle diese Überlegungen und Gefühle persönliche Konsequenzen nach sich ziehen werden, kann ich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen und werde ich mit Kolleginnen und Kollegen und mit Freunden besprechen.

Andreas Golatz

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