Das Fest „Allerheiligen“ stellt mich jedes Jahr wieder vor die Frage, ob ich heilig werden möchte. In diesem Beitrag möchte ich mich ein wenig mit der Frage beschäftigen, was das Wort eigentlich bedeutet. Nur so können wir dahinterkommen, ob wir heilig werden möchten.
In einem zweiten Teil möchte ich einen Blick auf die kanonischen Heiligen werfen. Warum sind sie heilig? Was machte ihr Leben besonders?
Ich hoffe, dass am Ende eine Antwort steht auf die Frage, ob wir/ich heilig sein möchte/n.
Was bedeutet eigentlich „heilig“?
Dieses Wort verwenden wir eigentlich nur im religiösen Kontext. Manchmal ist es aber gar nicht so einfach, solche Worte mit Inhalt zu füllen. Sie dienen uns als Schablonen und wir vertrauen, dass jeder damit dasselbe meint wie wir selbst.
Es lohnt sich daher am Beginn der Frage nachzugehen, was es eigentlich bedeutet. Einen kleinen Hinweis bekommen wir, wenn wir das englische Wort „holy“ betrachten, das sich von „whole“ ableitet. „Whole“ bedeutet „ganz“. Wir können daher das Wort „heilig“ mit „ganz“, „ganzheitlich“ oder auch „vollkommen“ übersetzen. Damit haben wir plötzlich Worte, die wir wesentlich auch aus unserer Alltagssprache kennen. Damit bekommt der Begriff „heilig“ aber auch schon eine Bedeutung, die nicht mehr nur abstrakt ist, sondern auch etwas mit unserem Leben zu tun bekommt.
Das Leben von Heiligen
Wenn diese Definition etwas bringen soll, dann muss sich doch auch bei der Betrachtung von offiziellen Heiligen der Kirche dies niederschlagen. Also möchte ich hier einige Gemeinsamkeiten von Heiligenbiographien betrachten. Denn wer meint, Heilige hätten ein perfektes Leben geführt, der irrt gewaltig.
Betrachten wir das Leben des hl. Augustinus, einem großen Kirchenlehrer. Sein Leben war lange Zeit alles andere als perfekt. Sowohl seinen Lebenswandel beschreibt Augustinus selbst als sündhaft und zweifelhaft, um es höflich zu formulieren (Confessiones). Aber auch theologisch war er Anhänger der sogenannten Gnosis, einer Lehre, die er selbst später verurteilen sollte. Trotzdem gilt er bis heute als einer der größten Kirchenlehrer der Geschichte. Später wurde er sogar Bischof der Kirche von Karthago.
Selbst wenn wir das Leben eines heute sehr populären Heiligen – des hl. Franz von Assisi – betrachten, merken wir, dass sein Leben über weite Strecken weit weg von perfekt war. Er war der Sohn eines reichen Händlers in Assisi und genoss sein Leben mit Parties und Ausschweifungen. Erst nachdem Jesus zu ihm gesprochen hat, änderte er sein Leben. Er verzichtete auf Besitz und scharte Anhänger um sich.
Ein weiterer Aspekt zeigt sich in den Biographien der Heiligen. Jede Lebensgeschichte ist einzigartig. Sie haben also nicht versucht, einander zu kopieren, sondern sie haben ihren Weg gesucht und gefunden. Heilige waren und sind suchende Menschen. Sie sind auf der Suche nach den Mitmenschen, auf der Suche nach Gott und auf der Suche nach sich selbst und ihrem Weg.
Willst du ganzheitlich leben?
Vergleicht man die Biographien der Heiligen, dann finden wir als gemeinsamen Punkt, dass sie ihren je eigenen Weg mit und zu Gott und den Mitmenschen gefunden haben. Wir können diesen Weg auch als ganzheitlich beschreiben. Er deckt nicht nur einzelne Lebensbereiche ab, sondert begegnet uns als ganzer Mensch.
Es geht also bei der Frage nach Heiligkeit nach der der Frage um unsere je eigene Berufung. Das heißt, lebe ich entsprechend meine Talente, Begabungen und Sehnsüchte. Niemand, der versucht irgendjemand zu kopieren, und sei es ein noch so großer Heiliger, wird dadurch heilig. Er wird nur zu einer schlechten Kopie des Vorbilds. Du kannst nur Deine Berufung leben, nicht die eines anderen. Darin liegt für mich der Schlüssel zur Heiligkeit.
Willst du also heilig werden?
Kommen wir also zurück zur ursprünglichen Frage. Willst du deine Begabungen und Talente einsetzen und deine Sehnsucht leben? Hier habe ich eine klare Antwort: Ja, ich möchte meine Begabungen und Talente einsetzen. Ja, ich möchte entsprechend meiner Sehnsucht leben. Ja, ich möchte ganzheitlich leben und so heilig werden.
