Vor etwas mehr als acht Jahren kam Richie zu mir und begleitet mich seither. In diesen Jahren haben wir viel miteinander erlebt und er wurde mir ein echter Begleiter. Richie ist mein Hund und Seelentier.
Wie kam ich auf den Hund?
Eigentlich hat alles mit einem Gespräch beim Mittagessen angefangen. Ich traf mich mit meiner Ärztin zum gemeinsamen Mittagessen. Mir ist es damals überhaupt nicht gut gegangen und so habe ich ziemlich gejammert über Einsamkeit und alles mögliche. Beim anschließenden Spaziergang sind wir dann auf Haustiere zu sprechen gekommen. Auch darauf, wie wichtig sie für uns Menschen sein können.
Ich war eher skeptisch. Weil ich alleine lebe, habe ich das Problem, wer denn auf einen Hund oder eine Katze aufpassen würde, wenn ich unterwegs sei. Beim Spazieren habe ich schon immer gerne mit Hunden gespielt und mich mit den meisten gut verstanden. Das wäre nicht das Problem.
Nach dem Spaziergang meinte meine Ärztin, wir könnten doch gleich ins Tierheim fahren und einen aussuchen. Das war mir dann aber doch etwas zu rasch. Eigentlich dachte ich ja, dass das Thema damit bei mir wieder durch sei. Als ich nach Hause kam, habe ich dann meine Haushaltshilfe gefragt, wie denn sie zu Hunden stehe. Sie meinte allerdings, dass sie damit kein Problem hätte.
Richie kam in mein Leben
Auch wenn ich nicht vorhatte, mir ein Tier zuzulegen, war der Gedanke einmal in meinen Kopf gepflanzt. Nur wenige Tage später saß ich mit den Goldhauben beisammen, um einen gemeinsamen Gottesdienst mit ihnen vorzubereiten. Dabei fragte die Obfrau, ob ich nicht jemand wüsste, der einen Hund sucht. Ihre Hündin hätte am vergangenen Wochenende zwei Welpen bekommen. Ich weiß nicht, warum, aber ich hörte mich selbst plötzlich sagen: „Ja, ich suche einen Hund!“ Offensichtlich war es mir doch ernster als ich eigentlich zugeben wollte. Natürlich habe ich sofort wieder abgewimmelt, aber der Gedanke war heraus. Ich wollte mich herausreden, dass ich es mir noch überlege. Dann würde ich mich in den nächsten Tagen melden.
Ich habe dann mit meiner Familie, Freunden und Menschen aus der Pfarre gesprochen, was sie denn von der Idee hielten, mir einen Hund zuzulegen. Alle waren begeistert. Also rief ich einige Tage später an und vereinbarte einen Termin, damit ich mir meinen Hund aussuchen könne. Gleich am nächsten Tag war ich am Bauernhof, um mir einen der beiden Welpen zu sichern. Die Familie meinte noch, ich könne ihn immer besuchen, wenn ich Lust und Zeit habe. Ich war mir aber sicher, dass ich erst in zwei Monaten wieder kommen würde, um den Hund abzuholen.

Selbstverständlich hat das nicht lange gehalten. Ein oder zwei Tage später kam eine WhatsApp Nachricht, dass Richie seine Augen geöffnet hätte. Ich könnte ja gar nicht anders, als ihn zu besuchen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich. ihn fast jeden Tag besucht, oft sogar mehrere Stunden. Auch wenn ich Angst hatte, dass ich der Familie mit meinen Besuchen auf die Nerven ging, versicherten sie mir, dass ich jederzeit willkommen sei. Also bin ich weiterhin gekommen. Es war sowieso August und daher nur wenig zu tun in der Pfarre. Ich hatte also nicht nur Lust, sondern auch viel Zeit.
Damals war Richie selbstverständlich noch sehr klein und hatte in meiner Handfläche Platz. Aber er war schon bald fleißig unterwegs und erforschte die Welt.

Als Richie schließlich im Alter von neun Wochen zu mir übersiedelte, war er zwar schon etwas größer, aber immer noch ein kleiner Zwerg. Aber schon bald ist er herangewachsen und wurde mir und meinen Spaziergängen ein treuer Begleiter.
Richie während Corona
Nur wenige Jahre nachdem Richie bei mir eingezogen ist, wurde unser aller Leben kräftig durcheinander gewirbelt. Die Pandemie und die entsprechenden Maßnahmen haben uns wohl alle in der einen oder anderen Weise beeinflusst. Als Single war in dieser Zeit mein Hund eine ganz wichtige Stütze. Damals habe ich das erste Mal erlebt, was viele Menschen mit dem Begriff Seelentier meinen. Richie ist mir in dieser schwierigen und herausfordernden Zeit ganz besonders ans Herz gewachsen.

Nicht nur dass er ein treuer Begleiter war, er war mir damals auch ein Tor zur Aussenwelt. Während der Lockdowns kam ich bei vielen Spaziergängen mit ihm mit Menschen ins Gespräch über Gott und die Welt. So war er oft Icebreaker in Kommunikation zu Menschen, mit denen sich sonst kaum ein Gespräch ergeben hätte. Und meine Erfahrung war, dass die Menschen damals ganz viel Gespräch brauchten. Richie wirkte hier als Türöffner für viele Gespräche.
Mein Burn Out und Richie
Auch wenn ich erst ab Juni 2025 tatsächlich mit der Diagnose „Burn Out“ im Krankenstand war, so hat sich mein Zusammenbruch doch schon ca. ein Jahr davor abgezeichnet. Seit dieser Zeit sind die Spaziergänge mit meinem Hund immer kürzer geworden oder oft auch ganz ausgefallen. Ich konnte mich einfach nicht aufraffen, nach einem anstrengenden Arbeitstag noch mit ihm einen Spaziergang zu machen.
Vor allem in den ersten Monaten bestand mein Alltag in erster Linie aus schlafen. Natürlich machte ich mir um Richie sorgen. Ich wusste doch, dass er einfach seine Bewegung braucht. Richie hat mir in dieser Zeit einen verhältnismäßig regelmäßigen Tagesablauf beschert, weil er eben hinaus musste. Ansonsten aber war er verständnisvoll und verbrachte viel Zeit mit mir gemeinsam im Bett schlafend.

In dieser Zeit wäre ich wahrscheinlich verzweifelt ohne ihn. Er hat mich in dieser ganz schwierigen Zeit gehalten und oft genug getragen. Meine Krankheit hat uns noch fester zusammengeschweißt. Ich habe nun auch verstanden, warum ausgerechnet er mein Seelentier ist.
Sobald ich jetzt endlich wieder mehr Energie habe, genieße ich wieder die Spaziergänge mit ihm. Diese Zweisamkeit tut mir im Alltag unendlich gut. Außerdem weiß ich natürlich, dass auch Richie das Mehr an Bewegung gut tut, das wir jetzt wieder gemeinsam unternehmen.

freut mich wirklich sehr dass es dir wieder besser geht und du in Richie einen Seelenfreund hast!
Viele Tiefen und Höhen habt ihr bereits gemeistert und ich wünsch euch von nun an hauptsächlich positive Zeiten! LG Sabine