Eine Depression gehört gerade im Herbst und Winter zu den häufigsten psychischen Belastungen in unserer Gesellschaft. Doch gibt es einen Unterschied zwischen depressiven Episoden und Phasen, wie sie (fast) alle Menschen von Zeit zu Zeit erleben, und tatsächlichen Depressionen, die therapeutisch behandelt gehören.
Eine depressive Phase
Das kennt doch eigentlich (fast) jeder: Nach einer Nacht mit wenig Schlaf oder einfach nur aufgrund von Müdigkeit, hat man einen schlechten Tag. Nichts macht Spaß und es fällt uns schwer, sich zu motivieren. Wenn das Wetter draußen dann auch noch nebelig oder regnerisch ist, dann haben wir schnell das Gefühl, dass wir doch eigentlich gar nicht aus dem Bett wollen. Einfach nur in die Decke kuscheln und den ganzen Tag verschlafen.
Im Volksmund sagen wir dann schnell: „Ich bin heute depressiv!“ oder „Ich habe eine Depression heute!“ Dabei handelt es sich – Gott sei Dank – allerdings nur um eine depressive Phase oder Episode. Die kann am nächsten Tag schon wieder vorbei sein und wir sind wieder gut drauf. Manchmal reicht auch schon eine Tasse starker Kaffee oder eine Dose Energy Drink und alles ist wieder in Ordnung.
Solche Phasen erleben wir immer wieder in unserem Leben. Ich bin mir bewusst, dass diese Erlebnisse nicht angenehm sind, aber sie haben mit einer Depression eigentlich nichts zu tun. Auch wenn ich gestehen muss: Ich habe mir eine Depression auch immer so vorgestellt, dass dieser Zustand eben etwas länger andauert.
Was ist eine Depression?
Auf der Homepage des österreichischen Gesundheitsministeriums (www.gesundheit.gv.at) findet sich folgende Definition: „Eine Depression ist eine psychische Erkrankung. Bei dieser kommt es vor allem zu einer auffallend gedrückten Stimmung, Verlust an Interessen sowie einer Verminderung des Antriebs für die Bewältigung des Alltags. Auch Gefühllosigkeit, Erschöpfung, Sorgen und Ängste können auftreten.“
Bei genauerer Betrachtung lassen sich verschiedene Formen von Depressionen unterscheiden. Während manche saisonal an Depressionen erkranken (z.B. Herbst oder Winter), kann sie bei anderen durch eine traumatische Erfahrung ausgelöst werden (z.B. PTSD) oder auch durch einen Trauerfall. Wobei Depression nur ein Teil der Trauer ist. Bei mir wurde die Depression durch Überlastung ausgelöst (Burn Out). Sollte eine Depression länger als zwei Jahre dauern, spricht man von einer chronischen Depression.
Was macht eine Depression so gefährlich?
Ich möchte hier aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Ich weiß natürlich, dass jeder Mensch eine Depression anders erlebt und wahrscheinlich auch jeweils eigene Erfahrungen macht. Was sich in der Definition so harmlos anhört, war für mich persönlich die Hölle auf Erden. Die „Verminderung des Antriebs für die Bewältigung des Alltags“ ist eine nette und verharmlosende Beschreibung dessen, was in mir vorging. Die Details erspare ich euch hier (sind im Beitrag über Burn Out beschrieben). Doch wenn man sich am Morgen kaum aus dem Bett bewegen kann, keine Energie für die kleinsten Tätigkeiten aufbringen kann, dann beginnt man irgendwann am Sinn des Ganzen zu zweifeln. Hier kommt dann aber die gute Nachricht: Denn selbst die Energie, um alles zu beenden, konnte ich nicht aufbringen. Kurz vor dem Zusammenbruch habe ich eigentlich gar nichts mehr gefühlt. Ich funktionierte nur noch mehr schlecht als recht. Mit dem Zusammenbruch klappte auch das nicht mehr.
Damit war ich wohl endgültig aus dem gesellschaftlichen Leben herausgefallen. Auf der einen Seite hat mir das gut getan, weil ich mich endlich ausschlafen konnte. Dieser Prozess dauerte mehrere Monate. Aber auf der anderen Seite tauchten schnell Sorgen und Ängste vor der Zukunft auf. Kann ich wieder in meinen Job zurückkehren. Wenn nicht, was mache ich dann? Wenn doch, was muss ich dann verändern? Der Vorsatz in meinen Job als Pfarrer zurückzukehren hat mir die Kraft gegeben, zu kämpfen und nicht alles zu beenden.
Was hilft auf dem Weg zurück?
Doch auf der anderen Seite habe ich auch erlebt, dass meine Depression genau dann wirklich besser geworden ist, als ich begann, hinauszugehen und meinem Alltag wieder eine Struktur zu geben. Das, woran ich lange mit aller Gewalt festzuhalten versuchte (meinen Arbeitsalltag) und doch scheiterte, hat mir dann geholfen, meinen Weg zurück zu finden.
Für mich war es von entscheidender Bedeutung, dass ich bereit war Hilfe anzunehmen. Das ist sicherlich nicht immer leicht, aber ich muss nicht alles alleine schaffen. Um gegen die Depression anzukämpfen, musste ich mich wieder öffnen und Menschen in mein Leben lassen. Das bezieht sich auf der einen Seite auf Ärzte und Therapeutinnen, die mich professionell begleiten, auf der anderen Seite auf neue Freunde, die ich im Zuge der Therapie kennenlernen konnte. Anzuerkennen, dass ich Hilfe brauche, war am Beginn schwierig, aber es hat sich definitiv gelohnt.
Die Diagnose einer Depression führt zwar in die Isolation, aber deren Heilung führt zu Beziehungen und neuen Freunden. Im Nachhinein betrachtet, war dieser Prozess zwar schmerzvoll, aber reinigend und stärkend.
Disclaimer: Dieser Beitrag ist kein medizinischer, psychologischer oder therapeutischer Bericht, sondern er schildert meine persönlichen Erfahrungen mit meiner Krankheit. Er ersetzt keine Behandlung oder Therapie!!
